Reliquienverehrung



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St. Konrad von Parzham



Zum Fest der Kreuzerhöhung
Jesus Christus ist der Herr (Phil 2,6-11)
Reliquienverehrung

Menschen, die uns besonders nahe standen und die ihren irdischen Pilgerweg vollendet haben, halten wir in liebender Erinnerung. Sie leben fort in unserern Gedächtnis. Oft bewahren wir aber auch Dinge auf, die sie zu Lebzeiten benutzt haben, etwa die goldene Taschenuhr des Vaters, oder einen echten Schmuck der Mutter. Auch die Kirche bewahrt Dinge auf, die bedeutende Christen in ihrem Leben gebraucht haben. Die Mönche von St. Ottilien begingen am 29. Juni 2003 die Hundertjahrfeier ihrer Abteikirche. Beim Festgottesdienst, den der apostolische Nuntius feierte, stand neben den grogen Kelchen zur Kelchkommunion der vielen Priester ein kleiner Reisekelch, wie man ihn in der Mission verwendet. Es war der Kelch von Bischof Cassian Spiss OSB. Pater Spiss wurde in dieser Kirche im Jahre 1902 zum Missionsbischof geweiht. Wenige Jahre danach wurde er mit seinen Gefährten in Tansania ermordet. Sein Missionarskelch ist zur kostbaren Reliquie geworden, der an sein Martyriurn erinnert. - In zahlreichen Kirchen werden ähnliche Reliquien aufbewahrt - in Assisi das Ordensgewand des heiligen Franzikus, in Bamberg der Wanderstab des heiligen Otto und der Mantel der heiligen Kaiserin Kunigunde, in Fulda das Evangeliar, das der heilige Bonifatius in Händen hielt, als er erschlagen wurde. Die Verekrung des --Wahren Kreuzes-- Christi
Grösste Verehrung jedoch erfuhren jene Reliquien, die mit Jesus oder der Gottesmutter in Beziehung gebracht wurden. So das Heilige Haus von Nazareth, das Haus der Verkündigung, welches im Mittelalter nach Loretto übertragen wurde und dort verehrt wird, der Heilige Rock in Trier, und als kostbarste Reliquie das --Wahre Kreuz-- Christi. Ein Bericht aus dern 4. Jahrhundert erzählt von der wunderbaren Auffindung des echten Kreuzes Christi durch die Kaiserin Helena in Jerusalem. Das heutige Fest --Kreuzerhöhung-- hat seinen Ursprung in in diesem Bericht und in der Weihe der Grabeskirche am historischen Ort der Kreuzigung Jesu. Das Fest ist also nicht eine Verdoppelung des Karfreitags. Diese Kreuzreliquie fiel im Jahre 1187 endgültig in nicht-christliche Hände und ist seitdem verschollen. Ob diese Kreuzreliquie das echte Kreuz Christi war, kann heute niemand beweisen, aber auch niemand widerlegen. Jedenfalls hat die Verehrung dieses --Wahren Kreuzes-- Christi in den Kirchen des Ostens wie des Westens ein breites Echo gefunden. Die zahlreichen Jerusalempilger haben dafür gesorgt, dass die Kunde von diesen hochverehrten Heiligtümern überall hin verbreitet wurde. So entstanden an manchen Orten herrliche Kreuzkirchen, weil in diesen Kirchen ein Splitter vom wahren Kreuz Christi aufbewahrt und verehrt wurde.

Ein bleibender Sinn dieses Festes
Wir wundern uns heute über diese Reliquienfreundlichkeit vergangener Zeiten. Dennoch war es richtig, dass dieses Fest, das in diesern Jahr auf einen Sonntag fällt, bei der Liturgiereform nicht aus dem Kalender gestrichen wurde. Das Fest --Kreuzerhöhung-- birgt einen tiefen Sinn. In dem Verlangen christlicher Frömmigkeit, etwas zu sehen und zu berühren, dass auch Jesus berührt hat, liegt nicht ein magischer Aberglaube oder Fetischismus. Darin verbirgt sich viel mehr die gläubige Gewissheit von der wahren Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. DerGlaube meint es ernst mit dem Bekenntnis --Das Wort ist Fleisch geworden--. Nicht eine fromme Legende oder ein Mythos, eine Art sakraler Sage ist der Ursprung des Glaubens an die Menschwerdung Gottes, sondern die geschichtliche Wahrheit, wie es im ersten Johannesbrief heißt: --Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens.-- (1 Joh 1, 11)

Der Apostel Paulus hat in dem Philiperbrief einen Lobpreis Christi aufgenommen, der wohl aus dem Gottesdienst der frühesten Gemeinden stammt. Wir hörten dieses Christuslied in der Lesung. Die Gläubigen der frühen Gerneinden hatten noch eine realistische Vorstellung von der Schmach des Kreuzes. Die Botschaft vom Kreuz ist --für die Juden ein empörendes Argernis und für die Heiden eine Torheit-- schreibt Paulus an die Korinther (1 Kor 1,23). Obwohl die Botschaft vom Kreuz eine Behinderung der christlichen Mission war, bekennt die früheste Kirche die geschichtliche Wahrheit vom Kreuzestod Jesu. Von der Enttäuschung, der Furcht und Ratlosigkeit, welche die Jünger am Karfreitag erfüllte, ist in diesem Christuslied nichts mehr zu spüren. Der Gekreuzigte war ihnen entgegengetreten in seiner Auferstehung und zeigte ihnen seine durchbohrten Hände und Füße. Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten in dem, von den Menschen Verstoßenen, den vom Vater Erhöhten. Wir sind eingeladen am Fest --Kreuzerhöhung-- mit den Christen der Urkirche einzustimmen in den Lobpreis der Demut Gottes, der in Jesus Christus auf alle Macht und Herrschaft verzichtete und in seiner Menschwerdung - um unseres Heiles Willen - den letzten Platz einnahm, den Menschen ihm zugewiesen haben. Wir stimmen ein in den Lobpreis des Philiperbriefes und bekennen:
Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes des Vaters

Konrad Lachenmayr
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